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German Short Stories for Beginners A2

10-years old Sarah visits her great-grandfather and asks her to tell what life was like when she was a child.  Sarah is fascinated by her great-grandmother’s story and laughs about a dirty trick which was played unpopular math teacher. Enjoy reading! If you prefer to listen to the story, please scroll down.

Erzähl mir von früher
(Tell me about the past)

“Erzähl mir von früher.” Die 10jährige Sarah setzte sich zu ihrer Urgroßmutter aufs Sofa.

“Was willst du wissen?”

“Wie war es in der Schule?”

“Meine Eltern waren Bauern. Wir haben in einem sehr kleinen Dorf gelebt. Dort gab es keine Schule. Ich musste jeden Tag in die nächste Kleinstadt laufen. Die war 5 km entfernt.

“5 km laufen? Jeden Tag? 5 km hin und 5 km zurück?” fragte Sarah entsetzt. “Warum bist du nicht mit dem Fahrrad gefahren?”

“Ach Kind”, lächelte die Urgroßmutter sie an. “Das war damals normal. Wir waren arm. Wir hatten keine Fahrräder. Und damals sind auch nur die Burschen mit dem Fahrrad gefahren.”

“Burschen?”

“Die Jungen. Wir Mädchen sind zu Fuß gegangen.”

“Auch im Winter?”

“Ja natürlich, auch im Winter. Aber ich hatte Glück. In meinem Dorf gab es ein anderes Mädchen. Sie war genauso alt wie ich und wir sind jeden Tag zusammen zur Schule gegangen. Wir haben viel geredet und gelacht. Da verging die Zeit schnell.”

“Hattest du nette Lehrer?”

“Meine Deutschlehrerin war sehr nett. Aber mein Mathematiklehrer war schrecklich. Ich hatte Angst vor ihm und ich war sehr schlecht in Mathe. Aber es gab einen Jungen aus dem Nachbardorf, der hatte gar keine Angst. Einmal hat er dem Mathematiklehrer einen richtig verrückten Streich gespielt.”

“Was hat er gemacht?” fragte Sarah neugierig.

“Nun, wir hatten vor der Mathematikstunde eine Pause und waren kurz alleine im Klassenzimmer. In diesen fünf Minuten hat Karl, so hieß der Junge, Klebstoff auf den Stuhl des Lehrers verteilt. Unser Lehrer hat sich zu Beginn der Stunde auf den Stuhl gesetzt und nichts gemerkt. Er saß etwa eine Viertelstunde. Dann wollte er aufstehen und das war nicht möglich. Weißt du, Karls Vater hatte ein Geschäft, er verkaufte diesen Klebstoff. Er war sehr stark. Jedenfalls klebte die Hose am Stuhl und unser Lehrer wusste nicht, was er machen sollte. Er hat uns dann alle auf den Pausenhof geschickt.”

“Und er ist alleine im Klassenzimmer geblieben?”

“Ich weiß es nicht genau. Ich glaube, er ist mit dem Stuhl zum nächsten Klassenzimmer gelaufen und die anderen Lehrer haben ihm geholfen.”

“Und was ist dann passiert?”

“Wir mussten alle zum Direktor und er hat uns gefragt, wer den Klebstoff auf den Stuhl verteilt hat. Niemand hat gesagt, dass es Karl war, aber der Direktor kannte Karls Vater und seinen Laden. Karl durfte nicht mehr zur Schule kommen und wir anderen mussten nachsitzen.”

“Nachsitzen? Was bedeutet das?”

“Das gibt es bei dir nicht mehr, nicht wahr? Es bedeutet, dass wir länger in der Schule bleiben und Mathematikaufgaben lösen mussten.”

“Musstest du oft nachsitzen?”

“Nein, ich war nicht sehr rebellisch und hatte auch Angst vor Strafen. Als ich zur Schule gegangen bin, durften die Lehrer uns noch schlagen.”

“Echt?” Sarah schaute die Urgroßmutter fasziniert und entsetzt an.

“Ja, es gab Schläge mit dem Stock auf die Finger. Ich glaube, Karl hat jede Woche Schläge bekommen, aber es machte ihm nichts aus. Aber ich hatte Angst.”

“Das verstehe ich. Dann war Karl sehr mutig?”

“Vielleicht, ich weiß es nicht. Nach der Geschichte mit dem Mathematiklehrer habe ich ihn nie wieder gesehen.”

“Wie lange hattest du jeden Tag Unterricht?”

“Wir hatten von 8:00–12:00 Uhr Unterricht. Ich war also so gegen 13:00 Uhr wieder zu Hause. Wir haben dann Mittagessen gegessen.”

“Nur vier Stunden Unterricht? Ich habe oft bis zwei Uhr Schule und wenn ich nächstes Jahr aufs Gymnasium komme, muss ich sogar bis vier Uhr lernen.”

“Ich weiß nicht, wie es in der Stadt war, aber die Kinder in den Dörfern mussten auch arbeiten. Unsere Eltern waren Bauern, Handwerker oder hatten kleine Geschäfte. Vor allem in der Landwirtschaft haben die Kinder schon ganz früh mitgearbeitet, so ab sechs Jahren. Wir haben aber trotzdem viele Hausaufgaben bekommen. Ich hatte also nicht viel Freizeit.”

“Hast du Abitur gemacht?”

Die Urgroßmutter lachte. “Nein, natürlich nicht. Abitur konntest du nur in der Stadt machen und nur wenige Mädchen haben Abitur gemacht. Ich bin acht Jahre zur Schule gegangen, mit 14 war ich fertig. Das war normal.”

“Wie viele Kinder wart ihr in der Klasse?”

“Hm, ich glaube, so 40–50. Ziemlich viele. Wie viele Kinder sind in deiner Klasse?”

“Wir sind 26, das ist auch ziemlich viel, finde ich. Hattest du viele Freunde?”

Eigentlich nicht. Das Mädchen aus meinem Dorf war meine beste Freundin. Die anderen Kinder wohnten in der Kleinstadt, wo die Schule war oder in anderen Dörfern. Da gab es keine Kontakte. Sie mussten ja auch mittags nach Hause laufen und ihren Familien helfen.”

“Sarah, Oma, das Essen ist fertig”, rief eine Stimme aus der Küche.

Sarah sprang auf. “Wir kommen, Mama.”

Sarah half ihrer Urgroßmutter beim Aufstehen. Die alte Frau war nicht viel größer als Sarah und machte trotz ihrer 90 Jahre noch alles alleine, aber sie freute sich immer über Hilfe und Besuche. Sarah liebte ihre Urgroßmutter sehr. In ihrer Klasse hatte nur noch ein anderes Kind eine Urgroßmutter.

erzählen, to tell

die Urgroßmutter,  great-grandmother

der Bauer, farmer

das Dorf, village

die Kleinstadt, small city

entfernt, away

entsetzt, horrified

anlächeln, to smile at

damals, back then

arm, poor

zu Fuß gehen, to walk

Glück haben, to be lucky

ein anderes Mädchen, another girl

reden, to speak

Die Zeit verging schnell, Time passed by quickly

schrecklich, horrible

Angst haben vor, to be afraid of

das Nachbardorf, neighbor village

gar keine/gar nicht, not at all

verrückt, crazy

einen Streich spielen, to pull a trick on someone

neugierig, curious

wir waren kurz allein, we were alone for a short while

der Klebstoff, glue

verteilen, to distribute, to spread

bemerken, to notice

sitzen, er saß, to sit, he sat

jedenfalls, however

kleben, to stick

niemand, nobody

bedeuten, to mean

Mathematikaufgaben lösen, to solve maths problems

die Strafe, punishment

schlagen, to beat

echt?,  really?

der Schlag, blow

der Stock, stick

es machte ihm nichts aus, he didn’t care

mutig, curageous

Wie lange hattest du jeden Tag Unterricht? How many hours of lessons did you have every day?

gegen 13:00 Uhr, around 1 pm

das Gymnasium, secondary school for children aged 10 – 17

der Handwerker, craftsman

die Landwirtschaft, agriculture

trotzdem, nevertheless

das Abitur, final exam after 12 years of school

mit 14 war ich fertig, I finished school at the age of 14

eigentlich nicht, not really

rufen, sie rief, to call, she called

die Stimme, voice

aufspringen, to jump up

helfen, sie half, to help, she helped

Daniela is a native German speaker who has taught the language online since 2012. She speaks English, Spanish, Portuguese and some Hungarian. Currently, she's residing in Peru but maintains a traveling lifestyle as a digital nomad. In March 2020, she published her first book "Deutsch online unterrichten" for aspiring online German teachers and is now concentrating on writing fiction for German learners while pursuing some other small projects.

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